Geschichte
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Zur Geschichte des ProjektsIm Jahr 1977 begann Menso Folkerts an der Universität Oldenburg ein Forschungsprojekt mit dem Arbeitstitel "Materialien zur Geschichte der westeuropäischen Mathematik in Mittelalter und Renaissance", das von der Stiftung Volkswagenwerk finanziert wurde. Die Stiftung stellte für sechs Jahre Mittel bereit, bis 1980 in Oldenburg und danach in München. Das Ziel war, an einem Ort Beschreibungen - und wenn möglich auch Kopien - von allen mathematischen Texten, die in westeuropäischen Sprachen (in Latein und den Volkssprachen) zwischen 500 und 1500 geschrieben wurden, zu sammeln. Aus praktischen Gründen wurde zu diesem Zeitpunkt der Ausdruck "Mathematik" im engeren Sinne verwandt, wobei alle Texte, die nach modernen Kriterien zur Astronomie, Physik, Philosophie oder anderen Disziplinen zu zählen sind, ausgeschlossen wurden. Gleichfalls ausgeschlossen wurden griechische, arabische und hebräische Texte. Die Hauptquellen, um diese Texte zu lokalisieren, waren die Handschriftenkataloge der verschiedenen Bibliotheken und Sammlungen. Jeder, der mit Handschriften arbeitet, kennt die Schwierigkeiten, die aufgrund inadäquater gedruckter Kataloge auftreten, insbesondere bei den wichtigsten Handschriftensammlungen. Um diese Schwierigkeiten zumindest teilweise zu lösen, besuchte Menso Folkerts mehr als hundert Bibliotheken und überprüfte die hand- oder maschinengeschriebenen Verzeichnisse. Insgesamt wurden mehr als 1300 Bücher, Artikel, Zettel- und Karteikästen durchgesehen, in denen ungefähr 500.000 Handschriften beschrieben sind. Etwa 150.000 davon sind aus dem Mittelalter. Von den letzteren enthalten 2300 mathematische Texte im engeren Sinn des Wortes; einige bestehen aus bis zu 30 verschiedenen Werken, andere weisen nur kurze mathematische Notizen auf. Zusätzliche Informationen ergaben sich aus wissenschaftshistorischen Aufsätzen und Büchern. Zu diesem Zweck wurden Zeitschriften wie Zeitschrift für Mathematik und Physik, Abhandlungen zur Geschichte der Mathematik, Bibliotheca Mathematica, Bullettino Boncompagni, Isis und Osiris durchgesehen. Auch ungedruckte Verzeichnisse verschiedener Wissenschaftshistoriker (A. A. Björnbo, D. W. Singer, M. Clagett) oder Beschreibungen spezieller Sammlungen (M. S. Mahoney: München, B. Hughes: Basel) wurden herangezogen. Im allgemeinen sind die Angaben aus diesen Quellen verläßlicher als die aus den Bibliothekskatalogen, weil sie von ausgewiesenen Wissenschaftshistorikern stammen, die mit dem Inhalt der Handschriften gut vertraut sind. Gleichzeitig mit der Sammlung der Handschriftenbeschreibungen wurden Kopien der relevanten Handschriften erworben und dadurch ein Archiv aufgebaut, das mathematische Texte in mittelalterlichen westlichen Handschriften enthält. Die meisten Bibliotheken stellten dem Projekt Mikrofilme oder Papierkopien zur Verfügung. Generell wurde angestrebt, Mikrofilme der gesamten Handschrift zu erhalten. Daher sind im Archiv nicht nur Kopien der mathematischen Texte, sondern auch von astronomischen und anderen naturwissenschaftlichen Texten verfügbar. Die Sammlung wurde durch Mikrofilme, die H.L.L. Busard, P. Kunitzsch und B. Hughes aus ihrem Besitz dem Projekt übereigneten, erweitert. Außerdem enthält das Archiv mehr als 100 Kopien arabischer mathematischer Handschriften. Das Archiv ist Bestandteil des Instituts für Geschichte der Naturwissenschaften der Universität München. Es hält Kopien von mehr als 5000 Handschriften und ist eine wichtige Quelle für Forscher, die sich mit den mathematischen Wissenschaften im Mittelalter beschäftigen. Mit Hilfe des Archivs ist es möglich, die Angaben in den Handschriftenkatalogen zu überprüfen und, falls erforderlich, zu korrigieren. In den Jahren 1985-1989 erhielt Menso Folkerts von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzielle Unterstützung, um eine Datenbank der mathematischen und wissenschaftlichen Texte in mittelalterlichen westlichen Handschriften am Institut für Geschichte der Naturwissenschaften in München aufzubauen. In diesen Jahren entstand, zunächst unter der Leitung von Warren Van Egmond und später dann unter Andreas Kühne eine Datenbank, die damals den Namen International Computer Catalogue of Medieval Scientific Manuscripts (ICCMSM) erhielt; sie wurde im Jahr 2000 umbenannt in JORDANUS. Die Sammlung wurde kontinuierlich auf mehr als 5000 Reproduktionen (Mikrofilme, Papierkopien) erweitert und der inhaltliche Rahmen der Handschriften, von denen Beschreibungen erfaßt wurden, ausgedehnt, so daß heute nicht nur praktisch alle mathematischen, sondern auch viele naturwissenschaftliche Texte in mittelalterlichen Handschriften in der Datenbank nachgewiesen sind. Nach Möglichkeit wurden Informationen aus verschiedenen Quellen verglichen und überprüft. Das Team kooperierte mit Nan Hahn (Dunellen, New Jersey), der Leiterin der Benjamin Data Bank of Medieval Scientific Manuscripts. |